Verantwortung

Verantwortung

Ich stehe hier und halte sie fest,
bilde mit meinen Händen ein schützendes Nest.

Ich schaue sie an,
diese Welt, die ihr mir überlassen habt.
Was habt ihr euch bloß dabei gedacht?

Mir eine Welt zu überlassen.
So dass ich tun und machen kann,
was ist nicht so sein lassen kann.

Ich stehe hier und halte die Welt,
die es zu beschützen gilt.
Plötzlich öffnet sie sich,
zeigt mir ein erstes Bild.

Da bist du,
die Soziologiestudentin, die mir in meinem Lieblingscafé meinen Kaffee bringt.
Marie heißt du, weißt schon, wie ich meinen Kaffee gerne trink.
Mit Hafermilch, braunem Zucker und ein wenig Zimt.

Ich schaue dich an,
und merke, dass du Marie, gar nicht mehr so gerne Kaffee machst,
dass du bei all seinen Witzen nur noch halbherzig lachst,
und hoffst, dass du eines morgens aus diesem wahrgewordenen Albtraum erwachst.

Doch ich muss dich enttäuschen,
alles was ich sehe, wenn ich in diese Welt schaue
ist Mindestlohn, unbezahlte Überstunden
und dich, die trübselig reinschaut.

Aber ich kann ja jetzt tun und machen was ich will,
wo diese Welt jetzt doch in meinen Händen liegt.
dass erste, das ich also ändern will,
ist, dass die Gerechtigkeit siegt.

Ich stehe hier und halte die Welt,
die es zu beschützen gilt.
Wieder öffnet sie sich,
zeigt mir ein zweites Bild.

Da bist du,
die Frau mit dem lila-blauen Kopftuch,
Eslem, die jeden Morgen hier an der Bushaltestelle sitzt mit ihrem Buch,
und ich sehe, dass du gerade jemanden verfluchst.

Ich schaue dich an,
und sehe, dass du Eslem, gerade gar nicht liest,
sondern schmerzverzehrt deine Augen schließt,
während du deine Hijab wieder zurecht ziehst.

Ich muss dich enttäuschen,
alles was ich sehe, wenn ich in diese Welt schaue
ist Verurteilung in binnen von Sekunden
und dich, die wütend hinüber zu ihr schaut.

Aber ich kann ja jetzt tun und machen was ich will,
wo diese Welt jetzt doch in meinen Händen liegt.
dass zweite, das ich also ändern will,
ist, dass die Fremdenfeindlichkeit verfliegt.

Ich stehe hier und halte die Welt,
die es zu beschützen gilt.
Noch einmal öffnet sie sich,
zeigt mir ein drittes Bild.

Da bist du,
der Mechatroniker der so gerne Fußball spielt,
Johannes, die Nummer 11, der so gut zielt,
und der die Fassade verdammt lange aufrecht erhielt.

Ich schaue in dich an,
sehe dich als ihr Ziel aller Witze und Beleidigung,
gehst von einer nur anderen Anhörung
nur weil du nicht auf Mädchen stehst, sondern auf Jungen.

Ich muss dich enttäuschen,
alles was ich sehe, wenn ich in diese Welt schaue
ist Schmerz, Hass und tiefe Wunden,
und dich, der in der Ecke Zusammengekauerte.

Aber ich kann ja jetzt tun und machen was ich will,
wo diese Welt jetzt doch in meinen Händen liegt.
dass dritte, das ich also ändern will,
ist, dass endlich Liebe überwiegt.

 

Ich stehe hier und schaue in diese Welt,
die ihr mir so überlassen habt.
Was habt ihr euch bloß dabei gedacht?

Aber ich kann ja jetzt tun und machen was ich will,
wo diese Welt jetzt doch in meinen Händen liegt.
Und so wie ich das sehe, ist da sehr sehr viel,
fehlende Akzeptanz, fehlender Mut, äußerer und innerer Krieg

Und auch wenn diese Welt in meinen Händen liegt,
weiß ich, dass ich nicht alleine bin,
Ich mache zwar den Beginn
aber ihr entscheidet ob sich diese Welt weiterdreht.

Das ist frustrierend, verdammt frustrierend,
denn egal wie gut ich als einzelne Person bin,
egal wie viel Einfluss ich auf meine Umwelt habe
so ist es doch nur mein Eigensinn
und du entscheidest selbst über deine Handhabe.
Deshalb ist es eben das was du daraus machst,
denn am Ende hast du die Macht,
deine Welt zu verändern.

So mach was du nicht tun und lassen kannst,
schenke Fremden ein Lächeln oder nicht,
geh zur Klimademo oder nicht,
zeig Zivilcourage oder nicht,
geh raus und denk an meine Worte oder nicht.

Aber sei dir bewusst,
die Veränderung,
der Wandel,
unsere Zukunft,
diese Welt,
liegt auch in deiner Hand.

 

 

 

 

Menschlichkeit

Menschlichkeit

2014 – 3.300
2015 – 4.000
2016 – 5.100
2017 – 3.200
2018 – 2.300
2019 – 1.300
2020 –  bis heute 69

Seit 2014 ist jede 11. Person bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen.
Und das sind nur die offiziell als vermisst Gemeldeten und Gefundenen.
Die Dunkelziffern sind um einiges höher.
Und wir sind hier.
Ich habe diesen Text geschrieben um die Welt ein Stück zu verändern.
Man könnte denke ich sei ein kleines Mädchen, mit verklärtem Weltbild.
Doch am Ende habe ich eine Freundin, die auf der Sea-Watch war, die Menschen selbst gerettet hat und die davon berichtet.
Und das was sie berichtet, diese Gefühle, habe ich probiert in diesem Text einzufangen.

Dieser Text ist für alle Menschen, die sich gerade auf dem Mittelmeer befinden, alle Menschen die fliehen und die auf ein neues Zuhause hoffen, für alle die sich einsam fühlen und Hilfe suchen.

 

Tag ein, Tag aus
Geh‘ ich hier raus
Durch diese Tür
Aus diesem Haus.

Das Haus,
dass sich Zuhause nennt,
das Haus, dass mich schon ewig kennt,
meine Heimat.

Ich wohne hier in Deutschland,
ganz ohne großen Aufwand.
Für mich ist dieses Land grenzenlos,
doch für andere gehen die Probleme erst an den Grenzen los.

Entstanden sind Grenzen nach den Kriegen,
die Idee dahinter war Frieden.
Doch was sie heute bedeuten,
dafür sind wir alle Zeugen.

In meiner Wahrnehmung ist es ein Band,
für andere ist eine Wand
und für wieder andere ist es der Sand
des Mittelmeers.

Diese Menschen probieren zu überleben,
so sehr, dass sie sich auf diesen Weg begeben,
und all ihre Hoffnung in fremde Hände legen,
nur für die Chance auf ein Leben.

Denn das war sie davor hatte,
das kann man nicht mehr Leben nennen.
Und so ist es verwunderlich, was sich Politiker gestatten,
nämlich urteilen, ohne alle Hintergründe zu kennen.

Stell‘ dir vor, der Krieg wäre hier,
bei deiner Familie, deinen Freunden und dir.
Was dann?
Wie würdest zu reagieren?

Ich?
Ich würde rennen, schwimmen, alles was ich kann,
meinen Körper bis ans Ende strapazieren,
nur um dann, irgendwann,
in Frieden leben zu können.

Und ich weiß, du würdest dasselbe tun,
denn es nennt sich Menschlicher Verstand:
Kämpfen oder Fliehen
Und am Ende stehst du am Rand
Deines menschlichen Verstands,
denn du hast erkennt,
die Heimat die ihr mal hattet,
gibt es nicht mehr in eurem Land
und so bist du überschattet
von all diesen Problemen und Aufwand
beim Start in ein neues Leben im Ausland.

Obwohl wir alle den gleichen Instinkten folgen,
jede und jeder hier vor dem Tod wegrennen wollte,
so sind unsere Nachrichten heute überzogen,
von Nachrichten, die keine Nachrichten sein sollten

Es scheint ein Tabu,
und doch ist es bald jeder, der darüber sprach.
Jetzt macht mal eure Augen zu
Und denkt darüber nach:

Wie wird mit Flüchtlingen umgegangen?

Wie gehe ich mit Geflüchteten um?

Wenn deine Antwort nicht helfend ist,
und meiner Meinung nach ist es das nicht,
dann wird es in jeder Hinsicht,
Zeit etwas zu ändern an dieser Aussicht.

Denn sind wir ehrlich,
Geflüchtete sind bei uns nicht wirklich willkommen
Und überall höre ich Stimmen die sagen:
„Wie Viele wollen denn noch kommen?
Dabei sollten wir und viel eher fragen:
„Wie Viele sollen denn noch ums Leben kommen,
bis jemand anfängt Verantwortung zu tragen?“

Ja, heute sind wir dran unsere Arme zu öffnen,
doch warum denn auch darauf verzichten?
Irgendwann, und das gab es schon öfters,
sind wir die, die flüchten.
So wie wir uns aktuell verhalten,
brauchen wir uns nicht wundern,
wenn Andere dann daran festhalten
wenn wir verwunden
und uns zurück lassen, ganz unten.

Es gibt hundert weitere Gründe,
warum unser Handeln sich ändern muss.
Für manche ist das aktuelle Handeln Sünde,
für andere Verdruss.
Doch der größte und wichtigste Grund ist:

Menschlichkeit.

Du bist wunderschön

Du bist wunderschön

Du bist blond und groß und männlich.
Du bist schwul, ganz offen und das ist für dich selbstverständlich.
Du hast ein riesiges Herz
und noch ein viel größeres Lachen,
wenn du es zulässt, loslässt,
um einfach mal loszulachen.

Doch das Loslassen fällt dir in letzter Zeit schwer
und so schaust du mich an
und ich merke dass tief in dir
der gleiche Sturm tobt wie in mir.

Und so machen wir uns gemeinsam klein und gemeinsam groß,
bauen uns auf und bauen ein Floß,
um dann gemeinsam über diesen Fluss zu treiben,
diesen Fluss aus Trotz und Wut und zerbrochenen Spiegelscheiben.

Denn dort wo wir waren,
wollen wir nicht mehr sein.
Das Ziel ist unbekannt,
doch das ist egal.
Wir stürzen uns gemeinsam hinein.
und schon bald merken wir der Weg ist das Ziel.
Hauptsache wir sind nicht allein,
noch einsamer zu sein wäre zu viel.

Doch das müssen wir ja nun auch nicht mehr sein.

Ich weiß,
du steht hier,
hier vor meiner Tür.
Dein Herz klopft so laut,
dass ich es sogar hör.

Du bist nervös,
fühlst dich übersehen,
doch soll ich dir was sagen?
Du bist wunderschön!

Und trotzdem leidest du jeden Tag,
und sitzt abends gebrochen zuhause.
Da ist es egal wie sehr ich dich mag,
denn diese Krankheit macht keine Pause.

Du hast braune Augen und goldene Locken.
All die Jungs rennen dir hinterher,
du haust sie aus den Socken.
Doch das alles willst du nicht mehr.
Noch vor kurzem, da hast du dein Leben geliebt,
und vor Allem warst du so in ihn verliebt.

Nach einem langen Wochenende sitzt du auf deinem Platz,
er ist noch nicht da.
Eure Lehrerin kommt rein, zögert bei jedem Satz,
er ist nicht mehr da,
und plötzlich ist alles geplatzt.

Du bist wie benommen
„Er wird nie wieder zurückkommen?“
schallt es so unendlich laut in deinem Kopf,
doch von außen sieht man nur wie die Träne die tropft.

Von grausamen Gedanken gequält,
war seinen Weg doch frei gewählt.
Seine letzte Nachricht war der Schlussstrich:
„Für immer wir. Ich liebe dich!“

Seit dem sind deine Blicke leer gewesen,
dein Lachen verschwand.
Der Alltag fing bald trotzdem wieder an,
euer Tattoo erinnert dich stetig daran.

Doch gibt dir nun auch neuen Mut.

Ich weiß,
du steht hier,
hier vor meiner Tür.
Dein Herz klopft so laut,
dass ich es sogar hör.

Du bist nervös,
fühlst dich übersehen,
doch soll ich dir was sagen?
Du bist wunderschön!

Und trotzdem leidest du jeden Tag,
und sitzt abends gebrochen zuhause.
Da ist es egal wie sehr ich dich mag,
denn diese Krankheit macht keine Pause

Du hast rote Haare, bist ziemlich dick.
kleidest dich oft einfach, doch manchmal auch schick.
Dein Mundwerk ist riesig,
dein Selbstbewusstsein dann doch wohl auch,
doch deine Fassade rissig
und manchmal geht sie auf in Rauch.

Du hast mit 15 angefangen zu rauchen.
Warum fragt man sich da.
Es waren deine 5 Minuten Abtauchen,
raus aus dem Alltag, weg von dem was geschah.

Mobbing in der Schule,
der Sportverein bricht weg.
Du wärst so gerne mal die Coole
doch dann kamen so Sachen wie Turnen am Reck.

Du findest nirgendswo mehr Halt,
findest keine Auswege.
hörst nur noch ihr Lachen das schallt,
über alle Flure und Wege.

Nicht nur du siehst nichts mehr in dir,
nein niemand steht mehr hinter dir.
Deine Freunde versetzt dir den letzten Tritt
und bist du heute hier,
viele Jahre später, in diesem Raum, auf deinem Sitz.

Ich weiß
du bist hier,
hier bei diesem Programm.
Dein Herz klopft so laut,
dass jede und jeder hier es gerade hören kann.

Du bist nervös,
und fühlst dich übersehen,
doch soll ich dir was sagen?
Du bist wunderschön!

Und trotzdem leidest du jeden Tag,
und sitzt abends gebrochen zuhause.
Da ist es egal wie sehr dich jemand mag,
denn diese Krankheit macht keine Pause.

Schönheit hat nichts mit dem Aussehen zu tun.
Schönheit ist für mich nur Mut und Kraft und Konfrontation.

Menschen sind für mich schön,
obwohl ich sie nie gesehen habe.

Menschen sind wunderschön,
egal was Modeindustrie und Werbung sagen.

Menschen sind für mich schön,
wenn unsere Herzen im gleichen Rhythmus schlagen.

Menschen sind wunderschön,
und können trotzdem Leid in sich tragen.

Wir leiden jeden Tag,
und sitzen abends gebrochen zuhause.
Da ist es egal wie sehr uns jemand mag,
denn diese Krankheit macht keine Pause.

Und so möchte ich euch zeigen
Depressionen können jeden treffen
Egal ob dick, dünn, groß oder klein,
ob Modedesigner oder Juristin.
Egal ob arm oder reich,
Glauben an Allah oder das Himmelreich.
Egal was du machst oder nicht,
diese Krankheit kriegt dich.

Denn diese Krankheit wählt nicht nach dem Erscheinungsbild aus,
und so viele tragen sie eben auch nicht raus.
Doch so viele tragen sie in sich,
Vielleicht betrifft es auch dich?
und ja, irgendwie betrifft es auch mich.

Und es ist okay dir Hilfe zu suchen,
bei einer Magen-Darm-Grippe isst du doch auch keinen Kuchen!

Jede und jeder hat es verdient gesehen zu werden,
nicht nur die physisch Kranken.
Also lasst uns doch krank sein neu definieren,
und so vielleicht auch unsere Gedanken.