Mein Auszug – Mein Einzug

Seit Januar habe ich eine eigene Wohnung, seit März bin ich wirklich ausgezogen.

Mein Resumé nach 3 Monaten eigenständiges Leben, Leben ohne Eltern drum herum, Leben ohne Bad teilen mit der kleinen Schwester:

Ich habe es genau so erwartet. Ja, das kann ich wirklich behaupten.
Ich muss mehr putzen, muss an mehr denken, muss selbst regelmäßig einkaufen.
Das ist auch nicht wirklich ein Problem. WG_1

Ich putze die Wohnung so oft wie notwendig. Vielleicht ein bisschen unbeholfen an mancher Stelle, aber okay.
Ich kaufe ein. Nicht immer regelmäßig, nicht so geübt und schnell wie meine Mutter, nicht so routiniert. Aber ich kaufe ein, habe fast immer frisches Essen da und das ist das, was zählt. Und dann gibt es noch solche Dinge wie Waschmittel und Klopapier. Wie oft kauft man sowas ein? Schließlich ist es zu spät, wenn es leer ist.
Ich habe einen Dauerauftrag für meine Miete und meine Nebenkosten. Zwei Dinge, an die ich so nicht mehr denken muss.

Meine Wohnung ist eingerichtet.
Fast in jedem Raum hängen mittlerweile richtige Lampen und nicht nur Glühbirnen. Bilder hängen an den Wänden und ich habe Dekokissen, DE-KO-Kissen, auf meinem Bett, damit es gemütlicher ist. Ja, so langsam bin ich hier angekommen. Erst recht, weil es mittlerweile eine „Wenn, dann da“-Schublade gibt. Was das ist? Eine Schublade in die alles reinkommt, was einfach keinen Platz hat. Dort drin befinden sich Gummibärchentütchen, Schraubenzieher, ein Hammer, Nägel, Klebeband, ein Metermaß, ein Kreisel. Wenn es so eine Schublade gibt, dann hat man sich eingelebt. Oder?

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich glaube ich Heimweh.
Wie ist das bitte möglich?

Ich habe ein Jahr in Schweden gewohnt. Über 2.000km entfernt von meinem Elternhaus.
Ich habe einen Monat in den USA in einem Internat gelebt. Noch weiter weg und ohne Gastfamilie.
Ich habe unzählig viele Wochenenden und auch ganze Wochen für mein Ehrenamt in irgendwelchen Jugendherberge und Selbstversorgungshäusern irgendwo in Deutschland verbracht.
Ich habe eine Woche in Frankreich im Trainingslager verbracht. Da war ich in der 4. Klasse!

Und trotzdem hatte ich NIE Heimweg! Noch nie hatte ich das Gefühl, dass ich gerne einfach in meine Heimat fahren möchte, mit meiner Schwester streiten, mit meinen Eltern quatschen, meine alte Kleidung und das Handtuch nach dem Duschen auf dem Boden liegen lassen. Noch nie!

Doch plötzlich gibt es auch dieses Gefühl.
Ich wohne jetzt nicht mehr dort. Ich habe dort kein Zimmer mehr. Habe dort keinen wirklichen Platz mehr.Natürlich bin ich noch immer herzlichst willkommen. Natürlich ist meine Familie stets für mich da. Das gleiche ist es jedoch nicht mehr.

Und was ist das Komische daran?
Ich fühle mich trotzdem wohl in meiner Wohnung. Bin stolz darauf, wie schön wir sie mittlerweile eingerichtet haben. Es ist mein Zuhause. Aber eben nicht meine Heimat.

Macht das Sinn?
Kann ich einen Ort vermissen, obwohl ich den anderen auch mag?
Kann ich Personen vermissen, obwohl sie ja eigentlich ja sind?

Ja, das kann ich.
Das ist verwirrend.
Das tut weh.
Aber das ist wohl dieses Erwachsen-werden. Der Zwischenzustand.

Und egal wie kompliziert es gerade klingt, irgendwie mag ich das auch.

Denn irgendwie habe ich genau darauf gewartet seit ich klein bin. Ich wollte endlich erwachsen sein und irgendwie ist es auch oft sehr schön.

WG_2

 

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2 Kommentare zu „Mein Auszug – Mein Einzug

  1. Liebes Töchterlein, unendlich vielen Dank für diesen Blogeintrag. Es hat den Anschein, als haben wir, Deine Eltern, doch paar Dinge richtig gemacht. In Liebe und mit Tränen in den Augen unendlich viel Liebe und Küsse Mama, Papa und Cookie 😘

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