Beschäftigung #Quarantäne

Hej ❤

Ja, aktuell gibt es unendlich viel Langeweile, die es zu bewältigen gibt.
Doch gleichzeitig gibt es auch viel Angst, viel Panik, viel Einsamkeit, viel Hilflosigkeit.
Ich möchte dir hier zeigen, was mir hilft, was ich mache und was ich ausprobiert habe.
Das ist niemals als „Muss“, als Zwang oder als Musterlösung zu verstehen.
Es sind Angebote, die du ausprobieren kannst oder eben auch sein lassen kannst.
Ich hoffe du kannst eine Sache für dich finden, die dir hilft die Zeit aktuell besser zu überstehen.

Struktur schaffen
Das gilt für mich auch schon im herkömmlichen Alltag insofern, dass ich mich besser konzentrieren kann, wenn ich einen Plan vor mir habe.
Wie detailliert er sein sollte, musst du für dich selbst herausfinden.
Ich setze mich abends hin und überlege mir, was ich am nächsten Tag machen möchte.

19.03.2020 (Donnerstag)
□ Blogpost: Quarantäne #flattenthecurve
□ Blogpost: Beschäftigung #Quarantäne
□ 14.00 Uhr Telefonat mit Tarik
□ Zimmer aufräumen
□ Thema & Gliederung für Hausarbeit 1 finden
□ vielleicht Einleitung für Hausarbeit 1 formulieren

Mehr Struktur als das brauche ich für mich nicht, im Gegenteil, mehr Struktur lähmt mich dann auch schon wieder. Ich teile mir ganz bewusst nicht ein, wann ich was am Tag erledigen möchte, nicht nach Uhrzeit, nicht nach Vor- oder Nachmittag. Das hat auch was damit zu tun, das ich mir keinen Wecker stelle. Ich habe mein Zimmer nicht ganz verdunkelt, von daher wache ich immer zwischen 9 Uhr und 10 Uhr auf und das ist für mich vollkommen ausreichend früh. Ich weiß für mich, dass ich sowieso eher nachmittags und abends produktiv bin, wieso sollte ich mich dann auch noch morgens aus dem Bett klingeln lassen? Genau deshalb ergibt es für mich keinen Sinn, es aufzuteilen, da ich nie genau weiß, wann ich denn jetzt anfangen werde. Außerdem schaffe ich mir durch diese Struktur auch genügend Pausen, ganz von alleine. Ich mag es nicht meinen Arbeitsfluss zu unterbrechen, weil mir irgendeine 25-5-Methode erzählt, dass es am produktivsten sei, wenn ich 25 Minuten arbeite und dann 5 Minuten Pause mache. Ich arbeite gut und gerne auch mal 2 Stunden am Stück an der Nachbereitung einer Vorlesung, lege es dann ab und bin fertig. Danach mache ich dann eben länger Pause.
Auch hier: Das ist meine persönliche Arbeitsweise. Ich kenne viele, die mit der 25-5-Methode super zurecht kommen, das möchte ich auch gar nicht abwerten. Ich sage hier nur, dass sie für mich nichts ist.

Struktur schaffe ich mir selbst also nur begrenzt, aber genau in der Art und Form, dass sich mich antreibt, motiviert und klar denken lässt. Das ist das was zählt.
Eine so genaue Vorstellung des eigenen Struktur-Bedürfnis benötigt viel Ausprobieren und viel Reflektion.

  • Wann kannst du dich am besten konzentrieren? Wann arbeitest du am liebsten? Wann bist du wirklich produktiv?
    Probier‘ es aus! Morgens direkt nach dem Frühstück? Doch eher gegen Mittag? Nachmittags oder doch abends? Schaue dir dazu auch mal an, wann du ins Bett gehst, wie lange du dann schläfst und wann du aufstehst. Bist du dann ausgeruht? Brauchst du vielleicht mehr schlaf? Oder stresst dich, so wie mich, einfach nur der Wecker?
  • Mache ich mir meine Übersicht abends, um dann ruhig schlafen zu können, weil ich weiß, dass ich das wichtigste schonmal notiert habe? Oder kann ich auch so beruhigt schlafen und mache mir morgens beim Kaffee eine Übersicht über den Tag? Wie genau soll die dann aussehen? Kann ich einschätzen, wie lange/wie viel Zeit ich für einzelne Punkte brauche? Möchte ich mir die Pausen aktiv reinschreiben oder denke ich so daran/ergeben sie sich aus meiner Sttuktur?
  • Wie arbeite ich eigentlich gut und gerne? Mit Musik, dann die Lieblingslieder zum Mitsummen und -singen oder doch eher instrumental, da dann Techno oder Klassische Klaviermelodien? Rein am Laptop oder auch mit handschriftlichen Notizen? Trinke ich währenddessen, oder nur in den Pausen? Bekomme ich natürliches Licht an meinen Arbeitsplatz? Brauche ich das?
  • Balance in den Aufgaben: Es wird immer Aufgaben geben, die du ungerne machst. Manche Menschen schwören darauf, diese zuerst zu machen, dann hast du sie hinter dir. Ich mache es meist abwechselnd: Den Blogbeitrag schreiben, den ich gerne schreibe, dann den Anruf den ich überhaupt nicht mag. Dann ein paar Mails beantworten und danach Buchhaltung. Wieder andere schieben alles blöde nach hinten, um danach dann einfach fertig zu sein. Auch da musst du einfach ausprobieren, was für dich am angenehmsten ist.

Schau einfach, was für dich gut passt, probiere alles aus und notiere dir auch mal, wie du was findest. Ich kam mir am Anfang auch total bescheuert dabei vor aufzuschreiben, wie ich es jetzt fand, dass ich vormittags so viele Aufgaben hatte, dann aber den Nachmittag frei, aber das legt sich und am Ende helfen dir halt genau diese Notizen.

Bleib in Kontakt mit Freunden und Familie
Wir leben im 21. Jahrhundert. Noch nie zuvor war es so einfach Menschen anzurufen, eine Nachricht zu tippen, eine Sprachnachricht aufzunehmen, zu skypen/facetimen, sich eben zu sehen auf Distanz. Jeder Mensch mit Fernbeziehung muss jetzt wahrscheinlich schon schmunzeln, wenn Leute posten, wie gut es tun kann zu telefonieren.
Auch ich kenne es aus meinem Tourleben, aus meinem überregionalem Ehrenamt, aus meiner Familie heraus, dass vieles über das Telefon passiert. Freundschaft, füreinander Dasein, sich sehen, das geht auch alles sehr gut mithilfe des Internets. Natürlich ist so eine physische Umarmung oft viel schöner, doch so ein dreistündiges Telefonat hat wirklich auch seine Anreize!

Hier die Pro-Tipps für die sozialen Kontakte auf der Ferne:
- Kopfhörer: Die Akustik ist für euch beide so viel besser, du selbst wirst 
  weder schnell abgelenkt, noch wird dein Arm taub vom Handy-ans-Ohr-halten.
- FaceTime/Skype nutzen: Es macht einen riesigen Unterschied nicht nur 
  die Stimme zu hören, sondern auch das Gesicht mit Mimik zu sehen
- Vorbereitung: Macht eine Zeit aus, zu der ihr euch anruft. 
  Dann kannst du davor noch auf Toilette, dir noch einen Kaffee oder Tee 
  machen und ihr könnt ganz entspannt ins Gespräch starten.

Denkt aneinander, ruft euch an, schickt euch schöne Postkarten (falls ihr noch welche Zuhause habt) und genießt euren Kaffee eben über Skype zusammen.

Einfach mal konsumieren & genießen
Es gibt eine Nexflix-Serie, die ihr schon ewig auf eurer Liste stehen habt?
Bücher im Regal, die ihr noch nicht gelesen habt?
Dieses Mandalabuch, dass ihr zum Geburtstag bekommen habt?
Ja, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr das endlich machen könnt!
Ich für meinen Teil habe 3 Bücher vor mir, die ich euch auch noch hier vorstellen werde, sobald ich sie gelesen habe.
Auf Netflix hat es mir die Serie „Elité“ angetan & auf Amazon Prime „The Good Doctor“.
Im herkömmlichen Alltag schäme ich mich manchmal regelrecht dafür, wenn ich einfach mal einen halben Tag nur lese oder Filme/Serien schaue. Selbst da ist es schon blöd, dass ich mir diese Pause nicht gönne. Doch gerade jetzt ist es noch wichtiger, dass wir uns nicht überfordern und gleichzeitig aber nicht in der Leere versinken.

Frühjahrsputz
Die Wohnung entstauben, Fenster putzen, Regale und Schränke aussortieren, die Vorräte mal durchschauen (ich habe 6 Packungen Nudeln gefunden, ohne dass ich jemals gehamstert habe), Dekoration erneuern, Bettwäsche wechseln, Wäschekörbe mal leeren, Schränke mal von innen putzen. Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, was alles geputzt und sortiert werden kann. Ich bin mir sicher, auch du findest diese eine Ecke bei dir, die es dringend nötig hat.

Neues ausprobieren
Ich habe mir die Zeitschrift „Flow“ und werde mit dem Papier und Zitaten daraus basteln. Ich möchte mir in mein Scrap-Book ein paar Collagen setzen, aber vielleicht auch ein Poster für mein Zimmer gestalten.
Außerdem steht seit mittlerweile über einem Jahr Wolle und Stricknadeln in meinem Schrank. Auch das möchte ich in den nächsten Wochen in Angriff nehmen (auch wenn die Saison für die großen Wollschals mittlerweile rum ist).
Dank Pinterest und Instagram ist es mittlerweile keine schwere Aufgabe mehr, sich Inspiration für neue Projekte zu holen, sei es im Haushalt, im kreativen Bereich oder sportliche Entwicklung. Klickt euch einfach mal durch und schaut, worauf ihr Lust habt.

Das machen, was mir gut tut
Bitte verlier‘ dein Wohlergehen nicht durch diese Phase aus den Augen.
Das alles hier ist nur ein Angebot!
Ich für meinen Teil habe den Wecker abgeschafft. Den brauche ich nun wirklich nicht. Meditation ist für mich abends das richtige um herunterzukommen, während ich das morgens überhaupt nicht kann.
Ich mache super gerne ein paar Dehnübungen, doch Yoga würde ich das nicht nennen 😀
Als Bewegung gehe ich zwischendurch mal spazieren, in den Wald, alleine, mit einem Podcast auf den Ohren.
Ich esse genug Obst und Gemüse um meinen Vitaminhaushalt nicht umzuwerfen. Also nur weil Menschen Pasta hamstern, brauche ich mich davon nicht umstimmen zu lassen.
Du kennst bestimmt auch ein paar Dinge, die dir persönlich Halt & Sicherheit spenden, die dich runterkommen lassen & dir gut durch den Tag helfen. Vergiss die nicht.

Wir müssen aktuell auf keinen Fall nur produktiv sein. Wir müssen gar nicht produktiv sein. Es kann sicherlich helfen, Aufgaben zu haben. Genauso gut kannst du jetzt aber auch Heim-Urlaub machen und nur entspannen. Alles ist okay.

Ich hoffe ich konnte dir einen Einblick geben, was du jetzt so machen kannst, damit es dir auch in dieser Zeit gut geht.

Bleib drin, bleib gesund und munter.
Bis morgen!
Carri

 

 

Warum Quarantäne?

Hej alle zusammen!

Auch hier bei mir ist es angekommen.
Ich befinde mich in selbst auferlegter Quarantäne.

Für mich wird es jetzt zur Hauptaufgabe nicht durchzudrehen.
Beschäftigungen finden.
Mich nicht verrückt machen (lassen).
Genug machen, damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt.
Wenig genug machen, damit ich mich nicht selbst überfordere, wie so oft.

Ich möchte darüber hier detailliert berichten.
Einerseits um dir zu zeigen, dass du nicht alleine bist.
Überforderung gerade ist okay.
Nichts-Tun ist okay.
Ein Buch schreiben ist okay.
Frühjahrsputz ist okay.
Schlafen ist okay.

Ich möchte mir selbst durch den Blog eine Beschäftigung beschaffen, für mich festhalten wie es mir geht & dich da eben auch mitnehmen.

Gleichzeitig möchte ich dich hiermit motivieren Zuhause zu bleiben!
Warum?

Ja, du bist vielleicht nicht Teil der Risikogruppe.
Ich weiß, dass wenn ich mich infiziere, ich wahrscheinlich Symptome einer Erkältung haben werde und das war es dann.
Aber es geht hier um andere, denen wir mit unserem Verhalten helfen können und müssen.

Bleib zuhause, damit du nicht Überträger*in wirst.
Umso mehr Menschen sich anstecken, desto größer wird die Belastung für das Gesundheitssystem.
Es ist unendlich wichtig, dass unser Gesundheitssystem nicht zusammenbricht.
Nicht nur wegen den Menschen, die Covid-19 haben.
Nein.
Es gibt weiterhin Menschen, die schwer krank sind und akut Hilfe benötigen.
Es gibt weiterhin Unfälle, weshalb die Notversorgung bestehen bleiben muss.
Es gibt weiterhin Geburten, für die wir ein Krankenhaus benötigen.
Die Liste ist unendlich.
Unsere Nachrichten im letzten Jahr waren schon voll damit, dass Pflegepersonal auf dem Zahnfleisch geht und wir dringend mehr Hilfe benötigen (zu Recht!).
Die Pandemie kann unserem Gesundheitssystem das Genick brechen!
Deshalb bleib bitte zuhause.
Sei kein*e Überträger*in.

Bleib zuhause, um die Risikogruppen zu schützen.
Menschen ab einem Alter von 50 Jahren (über 40% der deutschen Bevölkerung), Menschen mit Vorerkrankungen in der Lunge, Menschen mit Diabetes, Menschen mit einem geschwächten/unterdrücktem Immunsystem, …
Die Liste ist lang.
Auch wenn ihr keiner Risikogruppe angehört, könnt ihr diese anstecken.
Ohne, dass ihr es bemerkt.
Sicher ohne, dass ihr es wollt.

Also bitte, bleib zuhause.

Mir ist unendlich langweilig.
Deshalb wird hier jetzt täglich ein Beitrag erscheinen.
Was kann ich gerade so machen? Zuhause, allein.

Aber auch andere Themen.
Ich hab noch einige Beiträge geplant, für die ich bisher einfach keine Zeit hatte.
Jetzt ist die Zeit gekommen!

Bis dahin, bleib drin, bleib gesund!
Deine Carro

 

Mein Jahr 2019

Mein Jahr 2019

Die Bilder zeigen meine Highlights, zeigen wie schön das Jahr war.
Und was war es. Schön.
Doch das Jahr war natürlich nicht nur schön, nicht nur leicht, nicht nur einfach und nicht nur Highlights.
Ich möchte euch hier auch einen Einblick in die Realität geben, nicht alles glorifizieren und den Schein behalten, nur weil es Social Media ist. Ich möchte euch zeigen, dass auch jeder Monat seine Schattenseiten hatte. Denn Fakt ist, es war eben nicht alles positiv, nicht alles perfekt, nicht alles schön, sondern es war ausgeglichen.

2010_1
Januar.
Das Jahr begann mit Wunderkerzen, Freunden, Rauch in der Luft und Raclette.
Januar.
Abi-Stress. Denn davor habe ich nicht gelernt. Und innerhalb von 2 Wochen muss alles rein und wieder raus.

 

2019_2
Februar.
Papa wurde 50. Da liegt es auf der Hand, dass wir nach Disneyland fahren. Was auch sonst.
Februar.
Umzug. Zwischen Abiprüfungen und persönlichen Krisen, beschließe ich umzuziehen.

 


März.
Ich bin 20.
Zum Geburtstag gab es das AnnenMayKantereit Konzert, Freundschaft, Streichholz als Kerze. 3 Tage später das nächste Geschenk: Freiheit. Abiball. Monate lange Vorbereitung (auf den Ball, nicht das Abi) ging auf.
März.
Das Ehrenamt fordert mich immer wieder aus Neue heraus, soweit wie gewohnt. Doch hier überfordert es mich. Rollen die mir zugeschrieben wurden, Zuschreibungen die ich passieren lassen habe, die nicht okay waren.

 

2019_4
April.
Nach 3 Monaten in der Wohnung komme ich langsam an.
Wir einfach es ist zu gehen, wo es doch so schwer sein kann anzukommen.
April.
Das Studium beginnt und ich muss plötzlich lernen, Prioritäten neu zu setzen. Bemerke, dass das alles nicht so einfach und banal ist, wie ich zuvor gedacht hatte.

 

2019_5
Mai.
Ehrenamt bildet neue Talente.
Aus Sitznachbarinnen werden Freundinnen, aus Teamerin wird Köchin, aus Tagung wird Urlaub mit Aufgaben.
Mai.
Ich tauche ab. Fahre auf Seminare, stürze mich in mein Ehrenamt, weil das Studium nicht passt, ich es aber nicht wahr haben will. Das Studium, auf das ich jahrelang hingefiebert habe, passt absolut nicht zu mir. Shit.

 

2019_6
Juni.
Jahrelange Freundschaft wird gefeiert. Hochzeit. In der Kirche in der so vieles begann. Mit dem Menschen, der so vieles bedeutet.
Juni.
Das Ehrenamt, die Freunde, die Familie fangen es auf.
Der Sommer kommt und ich probiere mein Leben mit Sinn zu füllen.

 

2019_7
Juli.
Ein Zuhause haben und das teilen können. Aus einer Busfahrt wird ein Monat zusammenleben. Der Sommer ist da.
Juli.
2 Wochen Ferienjob, der gut zu mir gepasst hat, bei dem ich jedoch in Machthierarchien gefangen, benachteiligt und schikaniert wurde. 2 Wochen in denen ich litt. 2 Wochen die viele Zweifel weckten.

 

2019_8
August.
Die wohl einflussreichste Tagung meines Ehrenamts. 2 Wochen Gespräche, Umarmungen, Wertschätzung, Augen öffnen, Ehrlichkeit, Sicherheit.
August.
2 Wochen Ehrenamt. Wieder 2 Wochen, in denen so Vieles ans Licht kommt, dass ich nicht damit umzugehen weiß. Dieses Mal jedoch so viel Positives, doch durch die Zweifel aus dem Juli nicht fassbares.

 


September.
Die Überraschung. Der Kurzurlaub. Mehr Fotos als Minuten. Mehr Bilder als Sekunden.
September.
Leere. Ich warte. Auf Semesterbeginn, auf alles. Ich habe das Gefühl nichts geht voran.

 


Oktober.
Plötzlich bedeuten meine Worte mehr. Plötzlich wiegt das, was ich auf der Bühne mache so schwer. Ich werde gehört und gesehen. Endlich.
Oktober.
Semesterbeginn, 2 Slam-Meisterschaften. Wer mich kennt weiß, dass ich schnell Kontakte knüpfe, mich oft mit vielen Menschen gut verstehe. Doch das ist eben auch verdammt anstrengend und kostet mich hier enorm viel Kraft in dieser Häufung.

 

2019_11
November.
Die erste Tour. Sicher nicht die letzte. Freude, Freundschaft, Müdigkeit.
November.
17 Auftritte, Uni, Ehrenamt. Ob ich den Knall nicht gehört habe. Ich überfordere mich selbst und treibe mich an die Grenzen meiner Kraft.

 

2019_12
Dezember.
Veranstalten. Ein eigenes kleines Baby haben. Das nun ausgebaut wird. Das Wachstum für uns bedeutet.
Dezember.
Alles findet ein Ende. Alles rinnt aus. Und ich liege krank im Bett, denn jetzt kann ich es mir ja leisten. Fuck bin ich fertig.
Zeit für einen Neustart.

 

2019.
Das Jahr war voll.
voller Neuerungen, voller neuer Gewohnheiten, voller Freude, voller Freundschaft, voller Arbeit, voller Rastlosigkeit, voller Pause, voller Bekanntschaften, voller Bekanntheit, voller Wow-Momenten, voller Glück, voller Hoffnung, voller Überforderung, voller Belastung, voller Belastbarkeit, voller Wachstum, voller Entwicklung, voller am-Alten-festhalten, voller Momente, voller Fotos, voller Bilder, voller Wimpernschläge, voller Umarmungen, voller Hotelzimmer, voller fremden Decken, voller Nachhause-kommen, voller Heimatgefühle, voller Bahnfahrten, voller Duftkerzen, voller Marmeladenglasmomente, voller „Ach“, voller „Uff.“, voller neuer Erkenntnisse, voller Persönlichkeiten, voller Persönlichkeit, voller Markel, voller Dankbarkeit, voller Neid, voller Staunen, voller Energie, voller Energielosigkeit, voller Schlaf, voller Müdigkeit, voller unendlicher Kraft, voller langer Nächte, voller Bühnenmomente, voller Backstage-Gesprächen, voller Momente, die hoffentlich lange im Gedächtnis bleiben und voller Momente, die eine Sekunde danach verblassen sollten.
Das Jahr war voll.

In Erinnerung bleibt mir aus dem Jahr eine Menge:
Ich bin so eigenständig und gleichzeitig eben noch immer nicht gut durchdacht.
Ich bin unendlich gerne für andere da, doch muss auch an mich denken (können).
Es ist okay, nein zu sagen.
Ich sollte machen, was ich möchte. Natürlich darf ich abwiegen, die Außenwirkung mit einkalkulieren, aber sie alleine sollte nicht entscheiden.
Ich darf auch mal in die falsche Richtung laufen, vielleicht 3 Schritte auf einmal nehmen, aber ich darf mich dann auch nicht wundern, wenn ich mal stolpere oder hinfalle. Das gehört dazu. Das Aufstehen und weiterlaufen aber auch und das ist der Sinn.

2019, danke!
Für all deine Lehren.
Für all deine Begegnungen.
Für all deine Momente.
Danke.

Du bist wunderschön

Du bist wunderschön

Du bist blond und groß und männlich.
Du bist schwul, ganz offen und das ist für dich selbstverständlich.
Du hast ein riesiges Herz
und noch ein viel größeres Lachen,
wenn du es zulässt, loslässt,
um einfach mal loszulachen.

Doch das Loslassen fällt dir in letzter Zeit schwer
und so schaust du mich an
und ich merke dass tief in dir
der gleiche Sturm tobt wie in mir.

Und so machen wir uns gemeinsam klein und gemeinsam groß,
bauen uns auf und bauen ein Floß,
um dann gemeinsam über diesen Fluss zu treiben,
diesen Fluss aus Trotz und Wut und zerbrochenen Spiegelscheiben.

Denn dort wo wir waren,
wollen wir nicht mehr sein.
Das Ziel ist unbekannt,
doch das ist egal.
Wir stürzen uns gemeinsam hinein.
und schon bald merken wir der Weg ist das Ziel.
Hauptsache wir sind nicht allein,
noch einsamer zu sein wäre zu viel.

Doch das müssen wir ja nun auch nicht mehr sein.

Ich weiß,
du steht hier,
hier vor meiner Tür.
Dein Herz klopft so laut,
dass ich es sogar hör.

Du bist nervös,
fühlst dich übersehen,
doch soll ich dir was sagen?
Du bist wunderschön!

Und trotzdem leidest du jeden Tag,
und sitzt abends gebrochen zuhause.
Da ist es egal wie sehr ich dich mag,
denn diese Krankheit macht keine Pause.

Du hast braune Augen und goldene Locken.
All die Jungs rennen dir hinterher,
du haust sie aus den Socken.
Doch das alles willst du nicht mehr.
Noch vor kurzem, da hast du dein Leben geliebt,
und vor Allem warst du so in ihn verliebt.

Nach einem langen Wochenende sitzt du auf deinem Platz,
er ist noch nicht da.
Eure Lehrerin kommt rein, zögert bei jedem Satz,
er ist nicht mehr da,
und plötzlich ist alles geplatzt.

Du bist wie benommen
„Er wird nie wieder zurückkommen?“
schallt es so unendlich laut in deinem Kopf,
doch von außen sieht man nur wie die Träne die tropft.

Von grausamen Gedanken gequält,
war seinen Weg doch frei gewählt.
Seine letzte Nachricht war der Schlussstrich:
„Für immer wir. Ich liebe dich!“

Seit dem sind deine Blicke leer gewesen,
dein Lachen verschwand.
Der Alltag fing bald trotzdem wieder an,
euer Tattoo erinnert dich stetig daran.

Doch gibt dir nun auch neuen Mut.

Ich weiß,
du steht hier,
hier vor meiner Tür.
Dein Herz klopft so laut,
dass ich es sogar hör.

Du bist nervös,
fühlst dich übersehen,
doch soll ich dir was sagen?
Du bist wunderschön!

Und trotzdem leidest du jeden Tag,
und sitzt abends gebrochen zuhause.
Da ist es egal wie sehr ich dich mag,
denn diese Krankheit macht keine Pause

Du hast rote Haare, bist ziemlich dick.
kleidest dich oft einfach, doch manchmal auch schick.
Dein Mundwerk ist riesig,
dein Selbstbewusstsein dann doch wohl auch,
doch deine Fassade rissig
und manchmal geht sie auf in Rauch.

Du hast mit 15 angefangen zu rauchen.
Warum fragt man sich da.
Es waren deine 5 Minuten Abtauchen,
raus aus dem Alltag, weg von dem was geschah.

Mobbing in der Schule,
der Sportverein bricht weg.
Du wärst so gerne mal die Coole
doch dann kamen so Sachen wie Turnen am Reck.

Du findest nirgendswo mehr Halt,
findest keine Auswege.
hörst nur noch ihr Lachen das schallt,
über alle Flure und Wege.

Nicht nur du siehst nichts mehr in dir,
nein niemand steht mehr hinter dir.
Deine Freunde versetzt dir den letzten Tritt
und bist du heute hier,
viele Jahre später, in diesem Raum, auf deinem Sitz.

Ich weiß
du bist hier,
hier bei diesem Programm.
Dein Herz klopft so laut,
dass jede und jeder hier es gerade hören kann.

Du bist nervös,
und fühlst dich übersehen,
doch soll ich dir was sagen?
Du bist wunderschön!

Und trotzdem leidest du jeden Tag,
und sitzt abends gebrochen zuhause.
Da ist es egal wie sehr dich jemand mag,
denn diese Krankheit macht keine Pause.

Schönheit hat nichts mit dem Aussehen zu tun.
Schönheit ist für mich nur Mut und Kraft und Konfrontation.

Menschen sind für mich schön,
obwohl ich sie nie gesehen habe.

Menschen sind wunderschön,
egal was Modeindustrie und Werbung sagen.

Menschen sind für mich schön,
wenn unsere Herzen im gleichen Rhythmus schlagen.

Menschen sind wunderschön,
und können trotzdem Leid in sich tragen.

Wir leiden jeden Tag,
und sitzen abends gebrochen zuhause.
Da ist es egal wie sehr uns jemand mag,
denn diese Krankheit macht keine Pause.

Und so möchte ich euch zeigen
Depressionen können jeden treffen
Egal ob dick, dünn, groß oder klein,
ob Modedesigner oder Juristin.
Egal ob arm oder reich,
Glauben an Allah oder das Himmelreich.
Egal was du machst oder nicht,
diese Krankheit kriegt dich.

Denn diese Krankheit wählt nicht nach dem Erscheinungsbild aus,
und so viele tragen sie eben auch nicht raus.
Doch so viele tragen sie in sich,
Vielleicht betrifft es auch dich?
und ja, irgendwie betrifft es auch mich.

Und es ist okay dir Hilfe zu suchen,
bei einer Magen-Darm-Grippe isst du doch auch keinen Kuchen!

Jede und jeder hat es verdient gesehen zu werden,
nicht nur die physisch Kranken.
Also lasst uns doch krank sein neu definieren,
und so vielleicht auch unsere Gedanken.